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Herzerkrankungen

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Erblich bedingte Herzerkrankungen


Eine Einführung
Von Dr. med. vet. Tobias Hagel
Tierklinik am Sandpfad Dr. Walla und Partner, 69168 Wiesloch


An dieser Stelle sollen in kurzer, teils sehr vereinfachender Form einige allgemeine Begrifflichkeiten der Vererbung und Genetik erklärt werden, die im Zusammenhang mit jeder erblichen Erkrankung unumgänglich sind und das Verständnis der folgenden Herzdefekte erleichtern. Ein biologisches Grundwissen muss leider vorausgesetzt werden, um nicht den Rahmen dieser Kurzeinführung zu sprengen.

 

Viele Merkmale des äußeren Erscheinungsbildes (Phänotyp), wie beispielsweise die Fellfarbe eines Hundes, folgen einem einfachen Vererbungsmuster. Man spricht in diesem Zusammenhang nach dem Entdecker dieser Gesetzmäßigkeiten (Gregor Mendel) auch von einfach mendelnden Erbgängen. Wird das Merkmal von nur einem einzigen Gen (Träger der Erbinformation) gesteuert, handelt es sich um einen monogenen Erbgang. Von Ausnahmen abgesehen, die einer geschlechtsabhängigen Vererbung folgen¹, beteiligen sich mütterliche und väterliche Gene zu gleichen Anteilen an der genetischen Information (Genotyp) ihres Nachwuchses². Ein Gen trägt seine Information in doppelter Ausführung.

Reinerbige Elterntiere werden einheitlichen Nachwuchs erzeugen. Mischerbige Hunde tragen bereits unterschiedliche genetische Anweisungen zu einem Merkmal (z.B. Fellfarbe) in sich und können beide vererben. Dabei verhalten sich die unterschiedlichen Erbinformationen der Eltern jedoch nicht gleichwertig zueinander. So kann die eine Fellfarbe (dominant) die andere Farbe (rezessiv) vollständig dominieren und somit auch den Phänotyp der Welpen alleine festlegen. Schwarze Tiere verdanken ihr häufiges Vorkommen einer solchen genetischen Überlegenheit. Die Information des quasi unterlegenen Genes geht damit jedoch nicht verloren. Sie wird an die nächste Generation ebenso weitergereicht und nach außen hin sichtbar, wenn gleiche, rezessive Genotypen von Vater und Mutter aufeinandertreffen. Diesem Umstand verdanken wir zwei Effekte: zum einen müssen zwei schwarze, mischerbige Tiere nicht zwingend nur schwarzen Nachwuchs haben, zum anderen macht die Wurfgröße unserer Hunde ein buntes Farbenspiel der Welpen sogar eher wahrscheinlich. Auch Erbkrankheiten verhalten sich teilweise nach diesem Muster und können ohne entsprechende Kenntnis des elterlichen Gencodes unbemerkt weitergereicht werden bis Tiere wirklich erkranken.

Leider macht es uns die Natur nur selten so einfach, wie bisher geschildert. Die größte Schwierigkeit in der Vorhersage eines Erbschemas stellen polygene Erbgänge dar. Hierbei liegt die Verantwortlichkeit für die Ausprägung eines beliebigen Merkmals nicht mehr in der Hand eines einzigen Genes (siehe monogener Erbgang). Erbkrankheiten werden zumeist von einer Vielzahl verschiedener Gene beeinflusst. Die Summe dieser Einzeleffekte führt zum individuellen Ausbruch der Erkrankung. Man spricht auch von einem Schwellenwert, der überschritten werden muss, um das entsprechende Krankheitsbild grundsätzlich hervorzurufen.
Polygene Erbgänge führen auch dazu, dass ein Krankheitsbild in seinem Schweregrad durchaus variieren kann. Milde Ausprägungsformen, wie wir sie auch von erblichen Herzerkrankungen kennen, machen beim jungen Tier zunächst noch keine drastischen klinischen Symptome. Bleiben ernsthafte Symptome sogar mit dem fortschreitenden Alter aus, so verdankt das Einzeltier diesem Umstand ein Leben von guter bis vollkommen normaler Qualität. Gleichzeitig steigt die Gefahr, das Merkmal weiterzuvererben, bis der Zufall oder die unfreiwillige Häufung von Merkmalsträgern schwerkranke Hunde hervorruft.

In der Erforschung erblicher Erkrankungen hat sich herausgestellt, dass es in der Vielzahl verantwortlicher Gene für eine Krankheit einzelne Gene gibt, die als Hauptgene einen größeren Einfluss als andere haben. Wenn es gelingt, solche Effekte bei einer Erkrankung durch Rechenmodelle mit vielen Patienten theoretisch nachzuweisen (Populationsgenetik), kann in einem zweiten Schritt die Erkennung und Lokalisation der Hauptgene erfolgen (Molekulargenetik). Beginnt man anschließend Hunde nach diesen Genen zu selektieren, kann der Druck einzelner Krankheiten erheblich reduziert werden. Je präziser diese Auswahl möglich ist, desto geringer wird die grundsätzliche Gefahr durch übermäßige Selektion und Verkleinerung der Population andere Defekte zu provozieren.

Solange keine Gentests für eine erbliche Erkrankung vorliegen, versuchen Tierärzte möglichst sichere Kriterien für die Erkennung von Merkmalsträgern zu definieren. Im Bereich der Herzerkrankungen hat sich hier weitgehend die Echokardiografie, eine Herzuntersuchung mit dem Ultraschallgerät, als Mittel der Wahl herausgestellt. Flankierende diagnostische Maßnahmen wie Labor, EKG oder Röntgenaufnahmen sind hinlänglich aus der Humanmedizin bekannt.

 

1. Persistierender Duktus Botalli
Der persistierende Duktus Botalli (PDA) gehört zu den Herzerkrankungen, die in der Kleintiermedizin vergleichsweise früh als erblicher Defekt definiert wurde. Yorkshire Terrier, Malteser, Deutsche Schäferhunde, Collies, Chihuahuas, PON’s und Pudel gelten u.a. als prädisponierte Rassen. Der Erbgang dieser Erkrankung wurde modellhaft beim Kleinpudel erforscht und folgt nicht den Merkmalen der einfach mendelnden Vererbung. Die embryonale Kurzschlussverbindung kann nach der Geburt vollständig bestehen bleiben (persistieren) oder lediglich als Aussackung klinisch weitgehend unauffällig bleiben. Zwischen physiologisch und pathologisch gibt es somit eine große Bandbreite an Zwischenformen. Werden zwei Hunde mit PDA verpaart, so zeigen ca. 80 % des Nachwuchses variable Formen eines unzureichend rückgebildeten Duktus Botalli. Der PDA entspricht damit einem polygenen Erbgang mit Schwellenwertcharakter. Das Geschlechterverhältnis zeigt einen höheren Anteil erkrankter Hündinnen von 2:1 bis 3:1 gegenüber den Rüden.

 

 

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